Stress und seine Folgeerkrankungen mit Mikronährstoffen optimal versorgen
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Wie der Körper auf Stress reagiert, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Stress ist immer eine physiologische Anpassungsreaktion auf einen Reiz. Diese Reaktion bedeutet eine sehr schnelle Anpassung an psychische und physische Belastungen. Das ist erstmal gut. Denn der Körper wird geschützt, das Reaktionsvermögen und die körperlichen Kräfte werden gesteigert. Es ist aber nicht relevant, ob der auftretende Stress ein sogenannter Disstress, ausgelöst durch negative Ereignisse oder ein Eustress, ein positiver Stress ist. Bei jeder Art von Dauerstress reagiert der Organismus immer ungünstig. Selbst dann, wenn der Patient seinen Stress mit positiven Eigenschaften assoziiert. Wenn er beispielsweise unter Stress effektiver und besonders leistungsstark arbeiten kann. Die häufigen Anpassungen des Organismus haben nachhaltige Auswirkungen.
Die Auswirkungen von chronischem Stress
Das Thema Dauerstress ist aktueller denn je. Dauerstress kann nicht nur krank machen, sondern es können auch Folgeerkrankungen von Stress auftreten. Die natürlichen Reaktionen auf Stresssituationen sind eine Erhöhung der körperlichen Leistungs- und Reaktionsfähigkeit. Stress erhöht die elektrische Aktivität im zentralen Nervensystem. Es ist ein erhöhter Verbrauch von ATP – Adenosintriphosphat messbar. Damit entsteht im Gehirn ein ATP-Mangel. Dauerstress kann die Anfälligkeit des neuronalen Netzwerks und der Gliazellen verstärken. Er kann zu funktionellen Störungen bis hin zu einem Zelltod führen. Dabei können ein oder mehrere Nervensysteme oder auch das gesamte zentrale Nervensystem betroffen sein. In einer Studie der Götenburg Universität, Mölndal Schweden, die seit 1968 läuft, konnte festgestellt werden, dass ein verstärktes Stressaufkommen die Entwicklung von Demenzerkrankungen teilweise um den Faktor 5 erhöht. Nach dem Stress benötigt der Organismus eine gewisse Zeit, damit sich das Nervensystem von den Stresssymptomen erholt. Sie können auch durch ausreichend Sport und Bewegung abgebaut werden. Bleibt für den Stressabbau kaum Zeit,betätigt sich der Patent nicht sportlich oder kommt es durch zu viele Stressauslöser zu einem chronischen Dauerstress, kann die Wirkung der Stresshormone schwere krankheitsbedingte Folgen haben. Das Krankheitsspektrum reicht von muskulären Verspannungen, Schmerzen, Organschäden, neurodegenerativer Erkrankungen bis hin zu Krebs.
Die möglichen Stressreaktionen In einer Metaanalyse von 10 Studien zum Thema Stress wurde gezeigt, dass schon fünf Minuten Bewegung in einer grünen Umgebung den Stress signifikant lindern können. Fehlende Entspannungsreaktionen können dagegen zu chronischen Stresskrankheiten führen. Chronischer Stress führt immer zu einem raschen Anstieg von freien Radikalen. Zunächst reagieren die Sauerstoffradikalen. Ist Stickstoffmonoxid vorhanden, entstehen die teilweise besonders giftigen Stickstoffradikalen. Diese sogenannten ROS (Radical Oxygen Species) werden durch bestimmte Enzyme, wie MAO und NADPH in den Blutkreislauf eingeschwemmt. Als Folge davon erhalten die Mitochondrien nur vermindert Energie. Das kann so weit gehen, dass eine richtige Blockade entsteht. Betroffen sind davon die wichtigen CO-Faktoren, die u. a. auch den Citratstoffwechsel antreiben.
Die ATP-Menge wird in Folge von Dauerstress in jedem Fall sofort deutlich reduziert. Diese sogenannte mitochondriale Dysfunktion ist physisch als Antriebslosigkeit, Energieverlust oder als Fatiguesymptom für den Patienten spürbar. Dies kann aber noch weitreichendere Folgen haben. Chronischer Stress kann ursächlich für Angina Pectoris, Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen auftreten. Typische Krankheiten durch diesen Dauerstress sind auch Asthma, Magen- Hormone und Neurotransmitter reagieren auf Stress.
Damit der Körper auf Stress angemessen reagieren kann, sind neben den Hormonen der Hypothalamus Hypophysen-Nebennieren-Achse (HHN-Achse) auch bestimmte Neurotransmitter im Spiel. Die Antwort auf Stress erfolgt in einem engen Zusammenspiel von Cortisol, Adrenalin, Noradrenalin und Serotonin. In einer akuten Stressphase beginnt der Kreislauf mit der Ausschüttung von Noradrenalin im Locus caeruleus und von Corticotropin-Releasing Hormone (CRH) aus dem Hypothalamus. Die beiden Stoffe steuern die Hormone der Hypothalamus–Hypophysen–Nebennierenrinden Achse, des Nebennierenmarks und bestimmte Neurotransmitter. Dabei werden Energiereserven mobilisiert, der
Grundumsatz wird erhöht und alle Körperfunktionen, die mit dem Sympathikus in Verbindung stehen, werden verstärkt. Dazu zählen der Herzschlag, der Blut und Darmerkrankungen, Migräne, Hautirritationen und Immunschwäche. Blutdruck und die Atmung.
Gleichzeitig werden alle Funktionen, die dem Parasympathikus zugeordnet sind, gehemmt. Beispielsweise die Sexualhormone, das Schmerzempfinden, das Immunsystem oder die Verdauung. Wenn die Anzahl und die Dauer, aber auch die Intensität der Stressoren die Kapazität der StressRegelkreise übersteigen, verstärken sich die Stressoren selbst. Dann werden bereits aus kleinen Reizen große Stressreaktionen. Bei chronischem Stress ist die beschriebene HHN-Achse dauerhaft aktiv. Damit ist auch die Produktion von Cortisol in der Nebennierenrinde erhöht. Das normale Tagesprofil von Cortisol ist dann großen Schwankungen ausgesetzt. Der Kurvenverlauf kann regellos sein. Stressbeteiligte Neurotransmitter Bei Stress findet sofort eine Sekretion der Katecholamine Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin statt. Der Körper wird quasi sofort in den aus Urzeiten bekannten Kampf- und Flucht-Modus versetzt. Diese einzelnen Neurotransmitter wirken dabei mit: Noradrenalin Ist verantwortlich für die Konzentration, die Leistungsbereitschaft und die Motorik. Es wird aus den beiden essentiellen Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin hergestellt, diese werden zu Dopamin verstoffwechselt und dann in Noradrenalin umgewandelt. Dazu benötigt der Organismus die Co-Faktoren: Vitamin C, Vitamin B6, Kupfer und Magnesium. Ein Mangel an Noradrenalin führt sehr schnell zu einem Konzentrationsmangel.

Adrenalin
Ist ein Hormon aus dem Nebennierenmark. Gebildet wird aus
Noradrenalin. Dazu werden SAdenosylmethionin (SAM), Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure benötigt. Adrenalin steigert die Konzentration, die Aufmerksamkeit, die Herzfrequenz, den Blutdruck, den Blutzuckerspiegel und die Atmung. Alle Organe werden besser durchblutet. Die Magen-Darm-Peristaltik, die Libido und die Insulinsekretion werden gehemmt.
Dopamin
wird aus Phenylalanin und Tyrosin gebildet. Dopamin ist Ausgangsprodukt für die Bildung von Noradrenalin und Adrenalin. Es ist zuständig für die Konzentration, die Motivation, die geistige Leistungsfähigkeit, die Wahrnehmungsfähigkeit, die Motorik und es wirkt stimmungsaufhellend. Ein Mangel an Dopamin hat weitreichende Folgen auf den Organismus. Typisch sind Muskelschwäche, Tagesmüdigkeit, Motivationsverlust bis hin zu Depressionen und Libidoverlust. Ein Überschuss an Dopamin bei gleichzeitigem Serotoninmangel führt zu einer Erschöpfung und einer schnellen Ermüdung. Die Produktion von Dopamin ist altersabhängig. Bei Morbus Parkinson findet ein verfrühter Verlust der Dopaminrezeptoren statt.
Cortisol
ist neben den Katecholaminen das wichtigste Stresshormon. Es wird in der Nebennierenrinde erzeugt - immer sofort nach der Stimulation und der Regulation von Hypothalamus und der Hypophyse - Cortisol gilt auch als Antagonist von human Growth Hormonen (Wachstumshormonen), den Schilddrüsenhormonen Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) und den Sexualhormonen. Cortisol wirkt entzündungshemmend. Es reguliert zusammen mit Insulin den Blutzuckerspiegel und den Wasserhaushalt. Außerdem wird durch Cortisol das Eiweiß im Gehirn abgebaut. Bis vor wenigen Jahren ist man davon ausgegangen, dass Stress und stressbedingte Krankheiten immer mit einem zu hohen Cortisolspiegel im Blut zu tun haben. Mittlerweile weiß man aber, dass auch ein Mangel an Cortisol Krankheiten auslösen kann.
Glutamat
trägt dazu bei, dass Sinnesreize vermittelt und verarbeitet werden. Es steuert Gehirnfunktionen, wie Gedächtnis und Lernen und die Bewegungen und regt den Appetit an. Im Organismus ist es nicht nur ein Eiweißbaustein, sondern spielt auch im Zellstoffwechsel eine wichtige Rolle. Bei dem Abbau von Aminosäuren wird das Zellgift Ammoniak frei. Es wird sofort an Glutamat gebunden. Somit wirkt Glutamat auch als Gewebeentgiftung.
GABA - Gamma-Aminobuttersäure
Wird aus Glutamat hergestellt. GABA hemmt die neuroendokrine Stressachse. Es hat Einfluss auf den Stoffwechsel und setzt die Wachstumshormone frei. Zudem fördert GABA die Muskelentspannung, den Schlaf und wirkt stabilisierend auf den Blutdruck. Ein Mangel an GABA kann zu Gedächtnisstörungen, Aggressivität, Panik- und Angstzuständen führen. Ein Mangel kann auch bei chronischen Schmerzen, Epilepsie und Bluthochdruck festgestellt werden.

Beratungs/Behandlungs/Therapiemöglichkeit mit gezielter Gabe von Mikronährstoffen
Eine bewährte Alternative zu der medikamentösen Therapie mit Sedativa oder Antidepressiva stellt die gezielte Gabe von Aminosäuren und Mikronährstoffen dar, um die Neurotransmitter-Balance dauerhaft wiederherzustellen und damit den Stress und die Stressfolgen zu minimieren.
Folgende Mikronährstoffe sollten supplementiert werden:
Vitamin C mit der empfohlenen Tagesdosis von 3.000 mg.
Vitamin C wird bei jeder Stressphase vermehrt benötigt. Der Spiegel bei Stresspatienten ist meist viel zu niedrig,
Vitamin B Komplex wird hochdosiert empfohlen.
Benötigt werden von den einzelnen B-Vitaminen:
Folsäure 800 µg/Tag
Vitamin B12 1.000 µg/Tag
Vitamin B1, B2 und B6 je 100 mg/Tag
Pantothensäure und Biotin je 200 mg/Tag
Niacin 300 mg/Tag
Magnesium empfohlen 3 x 200 mg/Tag
Kann die gleiche Wirkung zeigen, wie ein trizyklisches Antidepressivum.
Zink empfohlene Tagesdosis von 30 mg
Ein zu niedriger Zink-Status wird bei Stresssymptomen
regelmäßig festgestellt.
L-Carnitin empfohlen 2.000 mg/Tag
L-Carnitin-Mangel wird mit dem chronischen Erschöpfungssyndrom, ausgelöst durch Stress, in Verbindung gebracht. L-Carnitin ist für die Energiegewinnung in den Mitochondrien unverzichtbar. In einer vorläufigen Studie konnte die Wirkung von L-Carnitin festgestellt werden.
Omega-3-Fettsäuren empfohlen als Fischöl- oder Agenöl-Kapseln mit 3 g/Tag.
Sie wirken sich positiv auf Stress aus. In Studien wurde gezeigt, dass die Teilnehmer, die Omega-3-Fettsäuren zu sich nahmen, seltener unter Stress litten. Der Interleukin-6-Blutspiegel war deutlich erniedrigt. Ein eindeutiges Zeichen, dass der Körper weniger unter Stress steht.
Phosphatidylserin Tagesempfehlung 300 mg über 4 Wochen, danach Reduzierung auf 100 mg/Tag. Bei Phosphatidylserin handelt es sich um ein natürliches Phospholipid, das im gesamten Körper, konzentriert jedoch im Gehirn und Zentralnervensystem vorkommt. Phosphatidylserin ist ein lebenswichtiger Nährstoff für die Hirnzellen und spielt eine zentrale Rolle bei deren Signalübermittlung. Es unterstützt Gehirnzellen dabei, Informationen zu speichern und abzurufen. Phosphatidylserin wird mit der Nahrung zugeführt oder im Körper selbst gebildet. Bei chronischem Stress reguliert es die Cortisolausschüttung in der Nebennierenrinde.

Fazit:
Die Beteiligung der Stresshormone und Neurotransmitter bei Stress und Stresskrankheiten ist offenkundig. Dabei ist zu bedenken, dass die Störung eines Neurotransmitters immer in einer Art Kettenreaktion abläuft und die Bildung anderer Neurotransmitter und Hormone stören kann. Es kann sogar bis zu einer völligen Signalunterbrechung kommen. Wichtig zu wissen scheint auch, dass viele allgemeine Symptome, die die Lebensqualität und die Gesundheit beeinträchtigen, ebenfalls durch den Neurotransmitter- und Hormonstatus beeinflusst werden. Eine Optimierung der Hormon- und Neurotransmitter-Balance kann deshalb nicht nur die Stressfaktoren mindern, sondern ebenso viele andere Symptome verbessern. Diese mit der vorgeschlagenen Mikronährstoff-Therapie zu behandeln, sorgt bei Patienten für eine nebenwirkungsfreie Verbesserung.
Mehr dazu: Jorm, L., u.a.: Common psychosocial stressors in middleaged women related to longstanding distress and increased risk of Alzheimer's disease: a 38-year longitudinal population study. In: BMJ Open. 03.2013 Biesalski, Hans Konrad: Mikronährstoffe als Motor der Evolution ISBN 978-3-642-55397-4. 2015 Schulz-Ratei, B.: Überaktivität im HypothalamusHypophysenNebennierenrinden-System als Prädiktor für eine bevorzugte Therapieresponse auf neuere, dual wirksame Antidepressiva. 2007 Domes, G.: Stress und Gedächtnis, ISBN: 9783898736794. 2003 Fechtner, J.: Einfluss von akutem Stress auf kognitive Kontrolle. 2010 Refojo, D., Deussing, J.M.: Das Corticotropin-ReleasingHormon-System und die Angst. In: Der Nervenarzt. 83.2012, S. 123-129 Costandi, M.: Stress und das Gehirn. In: Costandi, M.: 50 Schlüsselideen Hirnforschung. S. 140. 2015. ISBN 978-3662-44191-6