Ganzheitliches innovatives Konzept für eine erfolgreiche Diabetes-mellitus-Therapie

Tanja Fricke

 

Diabetes mellitus zählt zu den weitverbreiteten Volkskrankheiten in Deutschland, und mehr als 6 Millionen Menschen sind derzeit von dieser Erkrankung betroffen.

Jedes Jahr kommen etwa 300.000 Neuerkrankte hinzu, und über 90 Prozent der Patienten leiden an Diabetes mellitus Typ 2. Die Dunkelziffer der noch nicht diagnostizierten Fälle ist hoch und wird auf etwa zwei Millionen geschätzt. Unbehandelt steigt das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall erheblich an.

Diabetes mellitus Typ 1

Bei dieser Form der Erkrankung erfolgt eine Zerstörung  der insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse durch den eigenen Organismus. Dies geschieht sowohl auf humoralem als auch auf zellulärem Weg. Innerhalb kurzer Zeit entsteht ein absoluter Insulinmangel, und nach der Manifestation beträgt die aktive Inselzellmasse nur noch etwa 10 Prozent. Die Behandlung erfordert eine dauerhafte Insulintherapie sowie eine lebenslange Umstellung der Ernährung.

Diabetes mellitus Typ 2

Bei dieser Form spielen zwei Faktoren eine entscheidende Rolle. Zum einen tritt häufig eine Insulinresistenz auf, die sowohl das körpereigene als auch das extern verabreichte Insulin betrifft. Zum anderen nimmt die Insulinproduktion in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse ab. Das prädiabetische Stadium, auch als metabolisches Syndrom bekannt, tritt oft früher auf als bisher angenommen. Gleichzeitig mit der Insulinresistenz treten bei den Betroffenen häufig weitere gesundheitliche Probleme auf.

Die Therapie des Typ-2-Diabetes umfasst eine relativ fettreiche und kohlenhydratarme Ernährung, die oft mit einer Reduktion des Übergewichts durch Kalorienreduzierung und Bewegungstherapie einhergeht. Orale Antidiabetika oder Insulin werden in vielen Fällen zusätzlich  verordnet.

Langfristige Auswirkungen von Diabetes mellitus auf die Gesundheit

In der Pathogenese sind Schäden im Zinktransportsystem der Bauchspeicheldrüse bekannt. Darüber hinaus treten mikrovaskuläre und neuropathische Schäden sowie eine verstärkte Arteriosklerose auf. Je schlechter die Patienten mit Ernährung, Antidiabetika und Insulin eingestellt sind, desto früher leiden sie an Nephropathien sowie Mikro- und Makro-Angiopathien. Bei langer Lebensdauer treten zudem vermehrt kardiovaskuläre Komplikationen auf. Wenn die Lebensstilveränderungen, wie Ernährungsumstellung und Bewegungstherapie nicht eingehalten werden, entwickeln etwa 85 Prozent der Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 Übergewicht und Adipositas. Selbst jeder zweite Patient mit Diabetes Typ 1 entwickelt diese Folgeerkrankungen nach einiger Zeit.

 

Praxisbeispiel Ralf (59 Jahre)

Der Patient suchte meine Praxis aufgrund eines hohenBlutzuckerspiegels von 310 mg/dl auf, den er mit dem Blutzuckerschnelltest seines Vaters feststellte. Ralf war 185 cm groß und 145 Kilogramm schwer. Vor fünf Jahren wog er noch 90 Kilogramm und war sportlich aktiv. Aufgrund von Depressionen, die durch familiäre Probleme ausgelöst wurden, nahm er regelmäßig Antidepressiva ein und verlor die Lust an Bewegung und Sport. Gleichzeitig beendete er nach 30 Jahren das Rauchen, was zu einer kontinuierlichen Gewichtszunahme führte.

Eine genaue Anamnese zeigte verschiedene Symptome wie:

  Polyurie

  Polydipsie

  Hautirritationen

  Wundheilungsstörungen

  immer wiederkehrende Infekte

  fehlender Antrieb und dauernde Müdigkeit

  Leistungsabfall und Konzentrationsstörungen

Der nüchterne Blutzuckerwert lag bei 150 mg/dl (8,3 mmol/l), der HbA1c-Wert bei 8,5 Prozent. Die Kreatinin-Clearance, ein Wert zur Überprüfung möglicher Nierenschäden durch Diabetes mellitus Typ 2, lag im Normalbereich bei 105 ml/min. Der Kaliumwert, der die Nierenfunktion und mögliche diabetische Azidose anzeigen kann, war ebenfalls im Normalbereich bei 4,8 mmol/l.

Bedeutung von HbA1c

Glukose und andere Monosaccharide lagern sich ständig konzentriert an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin an. Diese sogenannte Verzuckerung oder Glykierung ist nicht umkehrbar, bleibt also während der gesamten Lebensdauer eines Erythrozyten bestehen. Deshalb eignen sich die dabei entstandenen Zuckerhämoglobine zur Langzeitkontrolle bei Diabetes mellitus. Sie werden in ihrer Gesamtheit als HbA1 bezeichnet. Die Untergruppe HbA1c liefert hierbei die zuverlässigsten und daher auch gut vergleichbaren Werte.

Das Ernährungsprotokoll von Ralf zeigte einen bedenklichen Konsum von zuckerhaltigen Getränken, süßen Snacks, fettreichen Speisen und alkoholischen Getränken.

Der Wochenplan offenbarte eine ungesunde Ernährungsgewohnheit, die maßgeblich zu seinem Gewichtsproblem und den erhöhten Blutzuckerwerten beitrug.

 

Ernährungsumstellung und Therapieansätze

Ralf erkannte die Notwendigkeit einer drastischen Veränderung seines Lebensstils. Aufgrund von Bedenken hinsichtlich möglicher Hypoglykämie durch die Antidepressiva wollte er auf zusätzliche orale Antidiabetika verzichten und stattdessen sofort mit einer Ernährungs- und Lebensstilumstellung beginnen.

Studienlage zum Intervallfasten bei Diabetes mellitus

Studien zeigen, dass Intervallfasten positive Auswirkungen auf Diabetes mellitus Typ 2 hat. Eine Untersuchung mit menschlichen Bauchspeicheldrüsenzellen ergab, dass Intervallfasten den Blutzuckerspiegel stabilisieren kann.

Forscher der University of Southern California (USC) stellten im Rahmen einer Studie 2017 fest, dass sich eine Ernährung mit Fastenperioden bei Diabetes außerordentlich günstig auswirken kann. Denn sie unterstützt die Stabilisierung des Blutzuckerspiegels. Intervallfasten ist hierbei nicht mit echtem Fasten gleichzusetzen.

Ernährungsprotokoll von Ralf

(Mo- Fr) Uhrzeit Speisen/Getränke

7:00 Uhr  3 Toastbrote mit Butter und Marmelade, Salami und Käse, 2 Tassen Latte macchiato mit je 2

TL Zucker, 1 Glas Saft, 150 g Himbeerjoghurt, 3 EL Schokomüsli mit 1 EL Honig und Vollmilch

9:30 Uhr 1 Vollkornbrötchen mit Schinken, 1/2 Diätcola

12:00 Uhr 1 großes Schnitzel oder Steak, 300 g Bratkartoffeln oder 120 g Nudeln, kleiner Salat, 

150 g Pudding oder anderes Fertigdessert, 500 ml alkoholfreies Bier oder Diätcola

13:00 Uhr  1 Espresso, 50 g Gummibärchen oder kleiner Schokoriegel

15:00 Uhr  1 Tasse Cappuccino mit 2 TL Zucker, 4 Kekse oder 1 Stück Kuchen oder 1 Brezel mit Butterund Nuss-Nougat-Creme

17:30 Uhr  1 Scheibe Brot mit Salami oder mit 2 Wiener Würstchen, 300 ml Diätcola

19:00 Uhr  3 Scheiben Brot oder 3 Brötchen mit Butter, Wurst, Salami und Käse, dazu Essiggurken, 

500 ml Weißbier, 300 ml Diätcola

20:00 Uhr  Ca. 150 g Knabberartikel wie Chips, gesalzene Erdnüsse oder Pizzaschnitten, 1–2 Gläser Rotwein oder 2 Gläser Gin-Tonic

21:00 Uhr 200 ml Milchshake

22:00 Uhr 3–5 Sushirollen (Fertigprodukt)

 

Vorteile des Intervallfastens 

Zu bestimmten Zeiten, aber vor allem nur in bestimmten Abständen, darf sehr wohl gegessen werden. Die Fastenzeiten entlasten den Körper und verbessern die Gesundheit.

In einer Studie in Adelaide untersuchten australische Forscher an 137 Typ- 2-Diabetikern das Intervallfasten im Vergleich zu einer täglichen Restriktionskost. Die Teilnehmer durften an fünf Tagen in der Woche normal essen, an zwei weiteren Tagen jedoch nur 500–600 kcal. Nach 12 Monaten hatten die Intervallfastenden im Schnitt 6,8 kg abgenommen – im Vergleich zu 5 kg bei der Restriktionsgruppe, deren Kalorienzahl täglich zwischen 1.200 und 1.500 lag. Der HbA1c-Wert ging beim Intervallfasten um 0,3, in der anderen Gruppe um 0,5 % Prozentpunkte zurück. Beide Ernährungsformen führten somit zu vergleichbaren Verbesserungen. Allerdings eignet sich das Intervallfasten als angenehmere und weniger einschneidende Diätform deutlich besser für die Ernährungstherapie und erreicht eine wesentlich höhere Compliance.

Eine wegweisende Studie erschien zudem im Fachjournal „The Lancet“. Untersucht wurden 298 britische, stark übergewichtige und nicht insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker im Alter von 20–65 Jahren, deren Diagnose höchstens sechs Jahre zurücklag. Dabei wurde eindrucksvoll bewiesen, dass sich die Einnahme von Antidiabetika durch Gewichtsreduktion und Lebensstilverbesserung vermeiden lässt. In einigen Fällen war danach sogar keine Diabeteserkrankung mehr feststellbar.

Der Körper benötigt eine gewisse Umgewöhnungsphase. Insbesondere weil Ralf gewöhnt war, sehr viel und häufig zu essen, fiel ihm der Einstieg schwer. Nach sieben Tagen sollte die Umstellung jedoch abgeschlossen sein. Der große Vorteil beim Intervallfasten sind die ausbleibenden Fastenkrisen, also Befindlichkeitsstörungen bis hin zu Krankheitssymptomen. Sie treten beim Heilfasten oder anderen radikalen Diäten normalerweise auf. Das liegt daran, dass der Organismus die Art der Energiegewinnung nicht umstellt, solange er regelmäßig Nahrung aufnimmt. Auch wenn dies in größeren Zeitabständen geschieht. Das Intervallfasten entspricht dem noch urzeitlich programmierten Stoffwechsel. Dieser ist darauf eingestellt, dass sich aufgrund der natürlichen Nahrungsverfügbarkeit Schlemmer- und Verzichtsphasen abwechseln. In der Evolution war mühelos verfügbares Essen unbekannt.

Der Körper nutzt während des Intervallfastens weiterhin seine Glykogenvorräte zur Energiegewinnung. Sind sie aufgebraucht, geht er zur Fettverbrennung über. Diese läuft im Rahmen des Intervallfastens zwar langsamer ab als beim Heilfasten, dafür aber nachhaltig und gesund.

Allerdings dürfen während der Essenszeiten keine riesigen Mengen ungesunder Nahrung vertilgt werden. Auch ein Jo-Jo-Effekt tritt nicht auf. Durch das Intervallfasten in Verbindung mit gesunder Ernährung lernt der Organismus wieder, seinen Blutzuckerspiegel zu regulieren. So können bald auch mehrere Stunden ohne Nahrung wieder ohne Heißhungerattacken oder Schwächegefühl überstanden werden. Im Gegenteil: Die Essenspausen entwickeln sich zu Phasen hoher körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit.

Ernährungsumstellung bei Diabetes mellitus

Intervallfasten in der Praxis

Ralf wurde das Intervallfasten 18/6 empfohlen. Das bedeutet, er darf sechs Stunden essen und muss 18 Stunden fasten, wobei er auf das Frühstück verzichtet. Die Essenszeit sollte zwei regelmäßige Mahlzeiten beinhalten, und während der 18 Stunden Fastenzeit sind keine Zwischenmahlzeiten erlaubt.

Das Intervallfasten verbessert die Blutzuckerregulation und fördert die Fettverbrennung. Durch die längere Nüchternphase sinkt der Insulinspiegel, was die Insulinresistenz reduziert.

Die Ernährungsumstellung ist entscheidend für den Erfolg der Therapie. Neben der Vermeidung von Zucker, Auszugsmehl, Fertigwaren, E-Nummern und minderwertigen Fetten liegt der Fokus auf frischen, hochwertigen Lebensmitteln. Vollwertige Kohlenhydrate, Hülsenfrüchte und hochwertige Fette sollten einen zentralen Platz auf dem Speiseplan einnehmen. Gleichzeitig ist der Verzicht auf Süßstoffe wichtig, da sie den Blutzuckerspiegel beeinflussen.

 

Unterstützende Zusatztherapien

In meiner Praxis arbeite ich nur ganzheitlich. Das bedeutet, im Falle von Ralf werden zusätzliche Maßnahmen zur Ernährungsumstellung ausführlich besprochen und erklärt.

1. Yoga, Bewegung/ Sport

Neben der Ernährung und dem Intervallfasten spielen Bewegung und Sport eine entscheidende Rolle. Idealerweise sollte die körperliche Aktivität etwa zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit erfolgen, um den Blutzucker positiv zu beeinflussen. Ralf entschied sich für Radfahren & Yoga  Sobald er an Gewicht verloren hat, möchte er weitere sportliche Aktivitäten, die er früher liebte, wieder ausführen.

2.  Mikronährstofftherapie

 Die Mikronährstoffe werden täglich mit der ersten oder zweiten Tagesmahlzeit eingenommen.

• Vitamin C: 2x 1.000 mg, verbessert den HbA1c-Wert

• B-Vitamine als Komplex, spielen eine bedeutende Rolle im Stoffwechsel

• Chrom in Form von 20 g Bierhefe, verbessert die Glukoseverwertung und die Blutfettwerte

• Selen: 50 µg, unterstützt wie Chrom

• Magnesium: 2x 300 mg, ist bei Diabetes meist zu niedrig

• Zink: 25 µg, gegen Wundheilungsstörung, schützt die Betazellen

3.  Ballaststoffe

Zur Förderung seiner Darmtätigkeit und zur Verlangsamung der Glukoseaufnahme wurde Ralf empfohlen, täglich Flohsamenschalen einzusetzen. Diese weisen quellende Eigenschaften auf, indem sie bei Kontakt mit Flüssigkeit im Verdauungstrakt diese aufnehmen und binden. Dadurch erhöht sich das Volumen im Darm.

Aufgrund ihres hohen Ballaststoffgehalts verlangsamen Flohsamenschalen die Passage anderer Speisen und Kohlenhydrate durch den Darm. Dies führt zu einer verlangsamten Aufnahme von Glukose, wodurch der Blutzuckerspiegel weniger rapide ansteigt. Infolgedessen eignen sich Flohsamenschalen als unterstützende Therapieoption bei Diabetes mellitus Typ 2.

4.  Entspannungstherapie  & Meditation sowie Aromaöle

Die Integration von Entspannungstherapie bei Diabetes mellitus leistet einen signifikanten Beitrag zur ganzheitlichen Betreuung. Bei Menschen mit Diabetes mellitus führen zusätzliche Stressoren zu anormalen Blutzuckerschwankungen.

Die Entspannungstherapie zielt darauf ab, Stress abzubauen und somit eine stabilere Blutzuckerkontrolle zu fördern.

Ralf empfahl ich diese ätherischen Öle:

  Rosenholz

  Petit Grain

  Bergamotte

DIese haben nachgewiesene entspannende Eigenschaften und tragen dazu bei, den Stresslevel zu reduzieren. Dieser ist bei der Diabetesmanagement-Routine und den damit verbundenen Lebensstiländerungen nicht unerheblich und darf nicht übergangen werden. Zusätzlich bietet die regelmäßige Aromaölmassage dem Patienten nicht nur körperliche Entspannung, sondern schafft auch einen Raum, um sich über seine Herausforderungen und Fortschritte mit dem Therapeuten auszutauschen.

Fazit

Die schnelle Erkennung von Diabetes mellitus 2 und unmittelbare Umstellung von Ernährung und Lebensstil zeigen bei Ralf positive Ergebnisse. Intervallfasten mit einer konsequenten Ernährungsumstellung, unterstützt durch gezielte Mikronährstoffe und Entspannungsmethoden, verbessert nicht nur seine Blutzuckerwerte, sondern trägt auch dazu bei, sein Gewicht zu minimieren. Die positive Erfahrung motiviert Ralf zur Fortsetzung seiner Lebensstiländerungen.

Das Intervallfasten nach der 18/6-Methode will er beibehalten, bis er sein früheres Gewicht erreicht hat. Aktuell wiegt er noch 102 Kilogramm, aber er ist zuversichtlich, dass er mit den neuen Gewohnheiten seine Gesundheit nachhaltig verbessern kann. Es zeigt sich, dass eine ganzheitliche Herangehensweise, die Ernährung, Bewegung und gezielte Therapie kombiniert, einen bedeutenden Einfluss auf die Lebensqualität von Diabetes-Patienten hat.

 

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