Adipositas - eine wachsende Volkskrankheit und Wege für die naturheilkundliche Behandlung
Tanja FrickeShare

Adipositas ist eine eigenständige chronische Erkrankung, die durch eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper gekennzeichnet ist. Diese Erkrankung betrifft heute weltweit Millionen von Menschen und wird von vielen als eine Epidemie betrachtet.
In Deutschland leiden immerhin 19 Prozent der Bevölkerung daran. Adipositas kann zu einer Reihe von Gesundheitsproblemen führen, wie z. B. Diabetes mellitus Typ2, Herzerkrankungen, Fettleber, Einschränkungen im Bewegungsapparat, Depressionen und anderen schweren Erkrankungen.
Die Gesundheitsgefährdung durch Adipositas resultiert einerseits aus Störungen des Stoffwechsels und andererseits aus dem hohen Gewicht selbst. Die Ursachen von Adipositas sind vielfältig und lassen sich nicht auf das individuelle Ernährungs- und Bewegungsverhalten reduzieren. Vielmehr ist Adipositas das Resultat eines komplexen Zusammenspiels zahlreicher Einflussfaktoren und verschiedener Einflussbereiche. Die Naturheilkunde kann auf natürlichen Wegen helfen, Adipositas zu bekämpfen um die ganzheitliche Gesundheit der Betroffenen zu verbessern. Ursachen von Adipositas: Adipositas wird in der Regel durch eine Kombination aus genetischen, Umwelt- und Verhaltensfaktoren verursacht. Zu den wichtigsten Faktoren gehören:
1.Genetische Faktoren: Studien haben gezeigt, dass Adipositas in Familien gehäuft auftritt. Bestimmte Gene können die Art und Weise beeinflussen, wie der Körper Nahrung aufnimmt und Fett speichert.

2. Psychosoziale Faktoren: Stress, Depressionen und andere psychische Belastungen, die durch die Lebensumstände verursacht werden, können zu einem ungesunden Essverhalten führen, das zur Gewichtszunahme beiträgt.
3. Umweltfaktoren: Der Lebensstil und die Umwelt können ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung von Adipositas spielen. Umweltgifte, wie Pestizide oder -chemikalien, die in der Nahrungskette vorkommen, erhöhen das Risiko für Adipositas und andere Stoffwechselstörungen.
4. Verhaltensfaktoren: Essverhalten und körperliche Aktivität sind entscheidende Faktoren bei der Entstehung von Adipositas. Übermäßiges Essen, insbesondere von zuckerhaltigen und fettreichen Lebensmitteln in Kombination mit mangelnder körperlicher Aktivität, kann dazu führen, dass der Körper mehr Kalorien aufnimmt, als er verbrennt.
Diagnose von Adipositas: Adipositas wird normalerweise durch eine Messung des Body-Mass-Index (BMI) diagnostiziert ( BMI = Körpergewicht in Kilogramm : (Körpergröße in Meter)² . Ein BMI von 30 oder höher wird als Adipositas eingestuft. Zusätzliche Untersuchungen sind: • Körperfettanteilmessung, dazugibt es verschiedene Methoden, wie die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA), die Dual-Energy-X-Ray-Absorptiometrie (DEXA)oder die Unterwasserwiegemethode.• Berechnen des Taille-Hüft-Verhältnis (Bauchumfang in cm : Hüftumfang in cm). Bei Frauen sollte dieser Wert max. 0,8 betragen, bei Männern max. 0,9. Liegen die Werte des Taille-Hüft-Verhältnis höher, kann das ein Indikator für Adipositas sein. • Ermitteln des Taillenumfangs. Ein Taillenumfang von über 88 cm bei Frauen und über 102 cm bei Männern kann ein Anzeichen für Adipositas sein.
Erhöhtes Sterberisiko durch Adipositas:


Anamnese von klinischen Symptomen wie Kurzatmigkeit, Schlafapnoe, Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Gelenkschmerzen können auf Adipositas hinweisen.
Folgeerkrankung Diabetes mellitus Typ 2 Adipositas ist der stärkste Risikofaktor für Diabetes mellitus Typ 2. Personen mit Übergewicht haben ein fast dreimal so hohes Risiko wie normalgewichtige Personen, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Bei Personen mit Adipositas besteht sogar ein mehr als siebenfaches Risiko der Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 2 im Vergleich zu Normalgewichtigen. In einer Studie von Prof. Matthew Watt von der australischen Monash University wurde ein entscheidender Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und der Entstehung von Typ-2-Diabetes nachgewiesen. Ein einzelnes Protein aus den Fettzellen löst dabei eine Kettenreaktion und schließlich Typ-2-Diabetes aus.
Therapiemöglichkeiten von Adipositas:
Die Behandlung von Adipositas umfasst in der Naturheilpraxis in der Regel eine Kombination aus Ernährungsumstellung, Bewegung, Mikronährstofftherapie, Verhaltensänderungen und Stressreduktion, sowie der Einsatz von Heilpflanzen und Aromatherapie. Das oberste Ziel ist, das Körpergewicht dauerhaft zu mindern.
1. Ernährungsumstellung: Vollwertiger Trennkost mit Eene gesunde und ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Faktor bei der Bekämpfung von Adipositas. Eine Ernährung mit hohem Anteil an Ballaststoffen, Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und pflanzlichem Eiweiß kann helfen, das Gewicht zu reduzieren und die Gesundheit zu verbessern. Besonders hilfreich hat sich in der Naturheilpraxis die Trennkost nach Hay bewährt. Alle Aussagen über die Trennkost sind wissenschaftlich nicht belegt. Trotzdem nimmt jeder Mensch mit Adipositas bei Einhaltung der Regeln ab.
Das sind die Trennkost-Regeln: 80 % der Nahrung besteht aus sogenannten Basenbildnern wie Obst, Salat, Gemüse. • Konzentriertes Eiweiß wird getrennt von Kohlenhydraten verzehrt.
Konzentrierte eiweißhaltige Lebensmittel betreffen: Fleisch, Fisch, Wurst, Eier, Milch- und Milchprodukte, Käse und Früchte, mit Ausnahme von Bananen, Datteln und Feigen. Diese gehören zu den Kohlenhydraten. • Zu den kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln zählen alle Getreideprodukte, Zucker, Kartoffeln, Bananen, Datteln, Feigen, Schwarzwurzeln und Grünkohl. • Alle neutralen Lebensmittel können mit eiweißhaltigen oder kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln kombiniert werden. • Neutrale Lebensmittel sind: Gemüse, Salat, Öle und Fette, Gewürze, Pilze, Nüsse, Ölfrüchte und Saaten, Sprossen, Keime, Honig, Papaya und Honigmelone.
Jeder Bissen muss 28-mal gekaut werden.
Zwischen den verschiedenen Mahlzeiten müssen mindestens 3 Stunden liegen. Richtiges Trinken ist lebenswichtig: Täglich mindestens zwei Liter stilles Mineralwasser, grüner Tee oder Kräutertee. Kaffee und Schwarztee darf getrunken werden, wird aber nicht zu der Trinkmenge dazugezählt. Zu den drei Hauptmahlzeiten sollte nichts getrunken werden. Eine Karenzzeit von jeweils zehn Minuten vor und nach der Mahlzeit sollte eingehalten werden. Auf zucker- oder süßstoffhaltige Getränke muss verzichtet werden. Weitere Ernährungsmaßnahmen diese Ernährungsvorschriften adipöse Kinder oder Jugendliche, müssen alle Familienmitglieder involviert sein und sollten sich im besten Fall ebenfalls trennköstlich ernähren. Zwei bis max. drei regelmäßige Mahlzeiten müssen täglich eingeplant werden. Optimal ist immer zur gleichen Uhrzeit. Kinder und Jugendliche benötigen drei regelmäßige Mahlzeiten plus zwei Zwischenmahlzeiten. Zwischen den Hauptmahlzeiten müssen mindestens drei Stunden Essenspause liegen. In dieser Zeit dürfen nur kalorienfreie Getränke wie Wasser und Tee ohne Milch und Zucker getrunken werden. Hülsenfrüchte und Erdnüsse sollten wegen der ungünstigen Eiweiß-Kohlenhydrat Balance nicht gegessen werden. Ein genereller Verzicht auf alles Süße oder Fertigprodukte ist in den meisten Fällen völlig aussichtslos und erschwert die Compliance enorm. Trotzdem sollten statt Nuss-Nougat-Creme oder Eis besser Trockenfrüchte, dunkle Schokolade oder Honigmarzipan genossen werden. Optimal sind reife, süße Früchte sowie Nüsse, Mandeln oder Saaten in kleinen Mengen.

2. Bewegung
Regelmäßige körperliche Aktivität ist ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Lebensweise und hilft, die Adipositas zu bekämpfen. Körperliche Aktivität kann das Risiko von Herzerkrankungen, Diabetes mellitus und anderen schweren Erkrankungen reduzieren. Es ist auch wichtig regelmäßige Bewegung in den Alltag zu integrieren. Dazu zählen auch Spaziergänge, Treppensteigen oder Radfahren.
3. Mikronährstofftherapie
Im Zusammenhang mit körperlicher Betätigung hat sich L-Carnetin als Förderung des Fettstoffwechsels bewährt. Die Empfehlung lautet:
3-mal täglich 1.000 mg
L-Carnitin
3-mal täglich 200 µg Chrom
Mit regelmäßiger körperlicher Aktivität führt diese Kombination zu einer signifikanten Minimierung des Körperfetts und somit zu einer Verbesserung des BMI im Vergleich zum Placebo.

4. Stressreduzierung
Stress ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Adipositas. Deshalb ist es unerlässlich, Methoden zur Stressreduzierung wie Yoga, Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder Vagusstimulation in den Alltag zu integrieren, um eine bessere Balance und Entspannung zu erreichen.

5. Pflanzliche Heilmittel
Natürliche Heilmittel können bei der Bekämpfung von Adipositas helfen. Beispielsweise fördert grüner Tee die Fettverbrennung und kurbelt den Stoffwechsel an. Kurkuma kann Entzündungen im Körper reduzieren und den Gewichtsverlust fördern. Ingwer reduziert den Appetit und verbessert die Verdauung. Die Mittel sollten am besten als Supplements eingenommen werden.
6. Aromatherapie
Ätherische Öle riechen nicht nur gut, sie können auch effektiv bei der Gewichtsreduktion helfen. Pfefferminzöl zügelt den Appetit und reguliert das Hungergefühl. Zitronenöl entgiftet die Leber und kurbelt die Fettverbrennung an. Ätherische Düfte wirken direkt auf das limbische System und dort haben sie dann direkten Zugriff auf die Erinnerungen, Gefühle und die Emotionen. Die positive Wirkung von ätherischen Ölen auf die Psyche wurde bereits durch viele Studien nachgewiesen. Allein der Duft von Vanilleöl lässt den Serotoninspiegel im Gehirn ansteigen. Ein Tropfen Vanilleöl direkt auf ein Tuch träufeln und daran riechen, vertreibt Heißhungerattacken.
7. Schlaf
Eine ausreichende Schlafqualität ist ein wichtiger Faktor bei der Bekämpfung von Adipositas. Eine schlechte Schlafqualität kann zu einem Ungleichgewicht von Hormonen führen, die den Appetit und den Stoffwechsel regulieren. Es ist daher wichtig, eine ausreichende Schlafzeit und eine gesunde Schlafhygiene zu gewährleisten.
8. Verhaltensänderungen
Die Änderung des Essverhaltens und des Lebensstils hilft Gewicht zu verlieren und Adipositas in Schach zu halten. Das Vermeiden von Versuchungen und emotionalen Essanfällen, sowie der Aufbau einer gesunden Routine, ist hierbei essenziell.
Fazit:
Insgesamt ist die Behandlung von Adipositas ein langfristiger Prozess, der Geduld und Engagement des Patienten und des Therapeuten erfordert. Die Rückfallquote ist groß. Trotzdem kann die beschriebene Kombination aus Ernährungsumstellung, Bewegung, Mikronährstoff,- Aroma- und Phytotherapie und Psychologische Beratungen den Patienten auf seinem Weg optimal unterstützen. Verhaltensänderungen und die Optimierung der Schlafhygiene muss der Kranke selbst, aber unter Anleitung, durchführen. Die gute Zusammenarbeit zwischen Patient und Therapeut kann maßgeblich dazu beitragen, das Körpergewicht zu reduzieren.
Quelle: A randomized, doubleblind, placebo-controlled trial, Arak University of Medical Sciences, Iran vom Februar 2020. Effect of chromium and carnitine cosupplements on body weight and metabolic profiles in overweight and obese women with polycystic ovary syndrome.